ARTE
ARTE Mo. 15.04.
Doku

Innocence of Memories

Früher wurden Mädchen, die nicht heiraten wollten, vor Gericht gezogen, und in Zeitungen veröffentlichte man Bilder von ihnen mit einem schwarzen Balken vor den Augen. ARTE France
Kemal glaubte, Füsun überall zu sehen, und hatte dabei seltsamerweise ein wohltuendes Gefühl. ARTE France
Orhan Pamuk ist der bekannteste Schriftsteller der Türkei. 2006 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, als erster Türke überhaupt. ARTE France
Kemal stellte einen Plan auf, der ihm helfen sollte, Füsun zu vergessen. Er schrieb sich alle Straßen und Orte auf, die ihn an sie erinnern könnten. ARTE France
Zigarettenstummel erinnerten Kemal an Füsun, so bewahrte er immer mehr auf und bildete damit eine Zeitleiste für seine Liebesgeschichte mit Füsun. ARTE France

TV-Programm des deutsch-französischen Rundfunkveranstalters Association Relative à la Télévision Européenne. ARTE sendet ein Vollprogramm mit den Schwerpunkten Kultur, außergewöhnliche Dokumentationen, zeitgenössische Spielfilme sowie Musik- und Theaterproduktionen.

Orhan Pamuks Museum & Istanbul

Dokumentarfilm GB 2015, 93′

Kurzbeschreibung

Orhan Pamuk ist der bekannteste Schriftsteller der Türkei. 2006 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, als erster Türke überhaupt. Im Jahr 2012 hat er in seiner Heimatstadt Istanbul ein außergewöhnliches Museum eröffnet: Darin erzählen Alltagsgegenstände von der unglücklichen Liebesgeschichte aus dem Roman "Das Museum der Unschuld", der im Istanbul der 70er Jahre spielt. Den irischen Regisseur Grant Gee inspirierten diese Objekte zu einer Doku-Fiktion. Sie beginnt im Museum und erkundet dann die Stadt am Goldenen Horn mit ihren einzigartigen urbanen Landschaften und ihrer unverwechselbaren Atmosphäre - eine Liebeserklärung an Istanbul.

Inhalt

Den Ausgangspunkt für die Doku-Fiktion bilden Orhan Pamuks Roman "Das Museum der Unschuld" und das gleichnamige Museum, das im Jahr 2012 eröffnet wurde. Sowohl das Museum als auch Pamuks Buch erwecken das Istanbul der 70er Jahre zum Leben. Der Roman handelt von einem reichen Fabrikantensohn, der sich in eine arme Verkäuferin verliebt. Was als Affäre begonnen hat, wird bald zur Obsession, doch das hindert Kemal nicht daran, die Beziehung mit seiner Verlobten fortzuführen. Um seiner Geliebten nahe zu sein, sammelt er die Dinge, die sie berührt - von der Zigarettenkippe bis zur Haarspange. Im Museum ist diese beeindruckende Sammlung scheinbar profaner Alltagsgegenstände in 83 Vitrinen ausgestellt - so viele Kapitel hat auch das Buch. Sie zeugen von der unerfüllten Sehnsucht des jungen Kemal nach seiner Geliebten Füsun. Grant Gees Film erzählt die Liebesgeschichte aus der Perspektive von Ayla, einer Freundin Füsuns aus Kindertagen, die nach langer Zeit in die Bosporus-Metropole zurückkehrt und hier das Museum und seine Exponate entdeckt. Anschließend nimmt der Film den Zuschauer mit auf einen nächtlichen Streifzug durch die Stadt. Der poetische Spaziergang ist eine wehmütige Liebeserklärung an das alte Istanbul, nach dessen einstiger unverwechselbarer Identität sich Pamuk genauso sehnt wie der Romanheld nach seiner Geliebten aus vergangenen Tagen. In der Doku-Fiktion leuchtet eine Fülle von Themen durch, wie die politischen Herausforderungen in der heutigen Türkei und Pamuks vielfältiges Engagement. Auch die gegenwärtige Radikalsanierung und Gentrifizierung Istanbuls sowie die Auswirkungen des komplett veränderten Stadtbilds auf das kollektive Gedächtnis kommen zur Sprache.

Hintergrund

Pamuk ist bei der Arbeit in seiner berühmten Wohnung mit Blick auf den Bosporus zu sehen, er kommt in zahlreichen Interviews an verschiedenen Orten der Stadt zu Wort. Der Zuschauer begegnet aber auch Figuren aus Pamuks Roman, zum Beispiel Menschen, die auf der Fähre arbeiten und bekannten Gesichtern des Landes, wie dem Fotografen Ara Güler oder der Schauspielerin Türkan Soray.

Sendungsinfos

Regie: Grant Gee Stereo
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