3SAT
3SAT Do. 14.10.

Der Fluch des Gewinnens - Auktionen im Wettstreit

Blumenversteigerung in Aalsmeer ZDF/Andrea Schäfer
Prof. Axel Ockenfels verschriftlicht Formeln der Auktionstheorie in einem Hörsaal der Uni Köln. ZDF/Jürgen Rumbuchner
Bieter*innen bei der Leica-Versteigerung in Wien. ZDF/Anja Leuschner
Wolfgang Pauritsch als Auktionator bei der Leica-Versteigerung. ZDF/Anja Leuschner
Auktionatorin mit Hammer. ZDF/Marc Nordbruch
Blumenversteigerung im niederländischen Aalsmeer. ZDF/Andrea Schäfer

Wirtschaft und Konsum 45′

Inhalt

Online ein Fahrrad ersteigern oder ein wertvolles Gemälde bei Sotheby's - solche Auktionen sind bekannt. Auch Werbeplätze, Strom und Mobilfunkfrequenzen gehen nunmehr an die Höchstbietenden. Auktionen bewegen täglich Milliardenbeträge. Die klassische englische Auktion ist nur eine von vielen Formen der Versteigerung. Paul R. Milgrom und Robert B. Wilson erhielten 2020 den Wirtschaftsnobelpreis für ihre Forschung und Entwicklung neuer Auktionsformate. Die kleine Gemeinde Aalsmeer in den Niederlanden ist das Zentrum des globalen Blumenhandels. Bevor Tulpen, Rosen und Co. in alle Welt versandt werden, erhalten sie hier ihren Preis - mittels einer Versteigerung. Die "Holländische Auktion" wurde genau zu diesem Zweck entwickelt. Anders als bei Kunstauktionen sinkt der Preis in Aalsmeer so lange, bis der oder die Erste zuschlägt. Die Auktion hat für die Händler*innen entscheidende Vorteile: Innerhalb von Sekunden entstehen Preise, die Angebot und Nachfrage entsprechen. Die moderne Wirtschaft ist durchdrungen von Auktionen. Auf dem Strommarkt und an der Börse funktioniert ohne sie gar nichts. Auktionen sorgen für Effizienz und Transparenz und sollen den Wettbewerb ankurbeln. Doch manchmal schießen sie über das Ziel hinaus. Die Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen aus dem Jahr 2000 zeigt, was passieren kann, wenn eine Auktion aus dem Ruder läuft. Heute können Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen in spieltheoretischen Beratungen speziell für Auktionen schulen lassen. Dort sollen sie lernen, wie man einer der größten Gefahren, dem "Fluch des Gewinners" entgeht. Auch Fehler im Design von Auktionen können den Wettbewerb verzerren und die Beteiligten Millionen kosten. Wirtschaftswissenschaftler Prof. Axel Ockenfels von der Universität zu Köln beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Auktion als Marktwerkzeug. Er sagt: "Den Homo oeconomicus - den rein gewinnorientierten und rational handelnden Menschen - gibt es nicht. Wir brauchen Auktionsdesigns, die menschliche Regungen aushalten." In einer aktuell laufenden Studie testet Ockenfels ein neues Auktionsformat, das den Handel an der Börse revolutionieren könnte.

Hintergrund

"WissenHoch2" - ein Thema, zwei Formate: Um 20.15 Uhr beleuchtet eine Dokumentation relevante wissenschaftliche Fragen; um 21.00 Uhr diskutiert Gert Scobel das Thema mit einem interdisziplinären Team von Experten.

Sendungsinfos

Von: Marilena Schulte, Andrea Schäfer Stereo
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