MDR
MDR Di. 23.02.
Doku

Sex Shop DDR

(Fotos für Folge 1 und Folge 2) MDR/Noahfilm
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Wildwest nach der Wende

Sexualität 45′

Inhalt

Die Zeit vom November 1989 bis zum März 1990 wirkte auf die Sex-Kultur und das Geschäft mit Sex und Erotik wie ein Katalysator. Alles war auf einmal möglich, die staatlichen Autoritäten verschwanden von der Bildfläche, der Staat als solcher konnte keine Grenzen mehr setzen. Umtriebige Geschäftsleute aus West und Ost erkennen schnell die neuen Spielräume, die neuen lukrativen Geschäftsfelder mit dem Sex. Beate Uhse überschwemmt die Noch-DDR mit prallen bunten Katalogen, der Playboy präsentiert eine nackte Magdeburger Zahnarzthelferin als erstes DDR Playmate. Agenturen wie die der Leipzigerin Heidi Wittwer vermitteln Stripperinnen zu allen möglichen Anlässen und Konditionen, außer Sex. Pornoproduzent Harry S. Morgan aus dem Westen filmt DDR-Paare beim Sex und ist erstaunt über das selbstbewusste Auftreten der Frauen. Die Besucher der Sex-Messen staunen nicht weniger über das wilde Treiben von Porno-Stars wie Dolly Buster. Videotheken, die die heiße Ware an den Mann bringen sollen, schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Erotikgroßhändler drängen auf den Ost-Markt und fallen in das kleine "unverdorbene" Land ein und verkaufen, was sich verkaufen lässt. Sexshops gibt es bald in jedem Ort. Das Geschäft mit den neuen Sex-Utensilien, die vielen zunächst so neu sind wie manche exotische Südfrucht, erweist sich schnell als lukratives Modell. Manchmal sind es komplette Familien - vom Enkel bis zur Großmutter, die in den Stoßzeiten mithelfen, die Dildos und Mösen-Atlanten zu verpacken und zu versenden. In den Großstädten tummeln sich Freier und Prostituierte auf offener Straße. Um die entstehenden Rotlichtviertel entbrennt allerdings schnell ein heftiger Krieg zwischen den verschiedenen Zuhälter-Szenen. In Leipzig wird der offene Straßenstrich bald entschärft, die Prostitution in andere Zonen verlagert. Sex Shop DDR: Eine zweiteilige Dokumentation, in der Autor Lutz Rentner den nackten Tatsachen nachspürt, die insbesondere in und nach der wilden "Wende-Zeit" das Sex-Geschäft im Osten prägten und bestimmten. Die Filme tauchen mit mehreren Protagonisten direkt ein in die Zeit nach dem Mauerfall. Zäsuren und Umbrüche werden sichtbar und erlebbar, die bis in die Gegenwart spürbar sind.

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