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WDR Do. 14.10.
Doku

Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Luftaufnahme von Dernau im Ahrtal, zwei Monate nach der Katastrophe. (Archivfoto v. 17.09.2021) WDR/images/Eduard Bopp
Luftaufnahme von Dernau im Ahrtal, zwei Monate nach der Katastrophe. (Archivfoto v. 17.09.2021) WDR/images/Eduard Bopp

Drei Orte nach der Flut

Dokumentation 45′

Inhalt

Dernau ist eine Baustelle. Entkernen, provisorisch Strom verkabeln, Schutt wegfahren. "Es wird", sagt Martina Gieler, "man sieht, es wird." Dann weint sie. "Entschuldigung." Seit zwei Monaten schuften Anwohner und Helfer durch. Trotzdem scheint die Arbeit kein Ende zu nehmen. Und morgen: Die Beerdigung einer Nachbarin, die ertrunken ist. Alles zu viel. Die Straßen in Dernau sind immer noch voller Flutstaub. Der Wind treibt ihn auf, wer hier atmet, saugt ihn sich in die Lunge. Was drin ist: weiß man nicht. Wie belastet die Häuser sind durch Chemikalien, die die Flut verteilte: unbekannt. Trotzdem kommen Freiwillige, gehen in Keller, schlagen Wände blank. Dernau hat ein Helfercamp, das Materialien sammelt, Schlafplätze stellt, Freiwillige verpflegt und auf Baustellen verteilt. Rund 30 Kilometer weiter westlich: Ortsbegehung mit Christian Hermanns, dem katholischen Gemeindepfarrer von Bad Münstereifel. Eigentlich hätte seine Amtszeit in der einstigen Fachwerkidylle im Sommer geendet, aber er konnte beim Erzbischof einen Aufschub erwirken. Denn er kann seine Gemeinde jetzt nicht allein lassen. Wenn er durch die Straßen geht, winken die Menschen ihm zu, kommen zu ihm rüber, berichten vom Estrich, der gerade ausgegossen wurde, von der eigenen finanziellen Not. Er hört zu, erkundigt sich, und sagt am Ende fast ein bisschen ratlos: "Warum Gott das zugelassen hat? Darauf habe ich auch keine Antwort." Der Haushaltswarenhändler Hubert Roth hat in den Fluten fast alles verloren, war nicht versichert. Nun versorgt er in einem improvisierten Laden die Nachbarschaft mit allem, was dringend gebraucht wird, Töpfe, Pfannen. Es ist der erste Laden, der wieder geöffnet hat: Manche Kunden verlassen das Geschäft fast ein bisschen euphorisch - so sehr sehnt man sich in Bad Münstereifel nach Normalität. In Erftstadt-Blessem im Westen von Köln ist es ruhiger geworden. Die Müllberge vor den Häusern wurden entsorgt. Doch die Verwüstungen in den Häusern sind immer noch sichtbar. Das Haus von Sylvia und Christian Schauff hat es mit am schlimmsten getroffen: "Nichts ist mehr geblieben." Bagger und Baufahrzeuge fahren umher, ihre Hauswand, die noch zum Schluss stand, liegt jetzt auf den Trümmern. Einige der alten Nachbarn konnten zurückkehren, in ihre komplett entrümpelten Häuser. Sie warten jetzt, dass die nassen Wände trocknen, um alles wieder aufzubauen. Und ihre Betroffenheit hat sich in Wut gewandelt. Wann werden endlich die Spendengelder ausgezahlt? Warum ist es so kompliziert, an die Hilfszahlungen der Bundesregierung zu kommen? Antworten auf all diese Fragen wünschen sie sich auch von den Verantwortlichen ihrer Stadt. Seit dem Hochwasser am 14. Juli 2021 sind wir unterwegs in den drei Orten Erftstadt, Dernau und Bad Münstereifel und begleiten Familien, Ehepaare, Anwohner und Hilfskräfte vor Ort. Was hat sich mittlerweile getan? Wie schwer ist die Zerstörung auszuhalten, wie mühselig der Wiederaufbau? Was macht Mut, was macht Angst? Und wie kommt die Hilfe an - die ehrenamtliche, persönlich geleistete Hilfe von Fremden und Freunden, aber auch die Spenden- und Regierungsgelder? Wir sind mittendrin, intensiv dabei und erzählen hier stellvertretend für die vielen Orte, an denen in NRW das Hochwasser gewütet hat. Dabei erzählt diese Dokumentation die berührenden Geschichten der WDR-Doku vom 26. Juli 2021 weiter.

Sendungsinfos

Von: Jens Eberl, Marion Försching, Madelaine Meier, Esat Mogul, Jörg Laaks, Anett Selle Stereo
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