3SAT
Do 21.05.
Männlich - toxisch? Männer und ihre Rollenbilder
- 58'
Gesellschaft und Soziales
Inhalt
Längst überwunden geglaubte Rollenbilder sind wieder auf dem Vormarsch, insbesondere bei jungen Männern. Moderatorin Stephanie Rohde spricht mit ihren Gästen über die Ursachen und Folgen.
Viele heranwachsende junge Männer haben ein Identitätsproblem. Auf der Suche nach Vorbildern werden sie vermehrt auf Social-Media-Kanälen fündig, wo eine gefährliche Riege von Männlichkeitserklärern ein autoritäres Männer- und traditionelles Frauenbild glorifiziert.
Dieser Backlash traditioneller Rollenbilder ist kein Zufall und nicht nur das Ergebnis normaler soziokultureller Prozesse innerhalb der Gesellschaft: Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass er vielfach politisch motiviert und gesteuert ist. Sogenannte Alpha-Male-Narrative transportieren rechtspopulistische bis rechtsextreme Ideologien mit den entsprechenden Deutungsmustern - mit allem, was nach dieser Vorstellung dazugehört: körperliche Kraft und Stärke bis hin zur Akzeptanz von Gewalt als Normalität.
In diesem Zusammenhang gehört auch das lange vorherrschende Frau-Mann-Schema, nicht selten verbunden mit der Legitimation von Gewalt gegenüber Frauen. Gleichzeitig entwickelt sich aber ein wissenschaftliches und gesellschaftliches Interesse an neuen Vorstellungen von Männlichkeit jenseits traditioneller Normen und stattdessen geprägt von emotionaler Intelligenz, Gefühlen, Gleichberechtigung und ganz neuen Identitätsformen.
Wie lassen sich die gegensätzlichen Prozesse und Entwicklungen erklären? Wie kann es gelingen, ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem sich innovative Formen männlicher Identität entwickeln können - ohne dass die Diskussion ideologisch oder politisch instrumentalisiert wird? Welche Rolle spielt das Selbstverständnis der Frauen dabei? - Über diese und andere Fragen diskutiert Stephanie Rohde mit ihren Gästen.
Gästevorstellung:
Prof. Dr. Dieter Lukas ist Evolutionsbiologe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und erforscht das Verhalten sowie die Sozialgeschichte des Menschen, Schwerpunkte unter anderen: Fürsorge, Konkurrenz und Kooperation. Dieter Lukas untersucht, wie sich soziale Strukturen über Jahrtausende entwickelt haben und welchen Einfluss sie auf die heutigen Geschlechterrollen haben. Seine Forschung zeigt, dass Dominanz, Aggression oder Führungsanspruch keine naturgegebenen Konstanten sind, sondern evolutionär vielfältige und variable Strategien darstellen. Auch die häufig polarisierend diskutierten biologischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen betrachtet Lukas differenziert.
Dr. Björn Süfke ist Psychologe und Therapeut. Er ist einer der profiliertesten Beobachter moderner Männlichkeitsbilder. Seit vielen Jahren arbeitet er mit Männern, die zwischen Leistungsdruck, emotionaler Zurückhaltung und neuen Rollenerwartungen ihren Platz in einer sich wandelnden Gesellschaft suchen. Süfke analysiert, wie gesellschaftliche Vorstellungen von Männlichkeit psychisch wirken. Er verbindet klinische Erfahrung mit dem Blick auf die Einflüsse von Kultur und Gesellschaft und macht sichtbar, wie Männer heute zwischen alten Prägungen und neuen Ansprüchen stehen. Björn Süfke ist Autor zahlreicher Publikationen, darunter die Bücher "Männerseelen" und "Männer: Was es heute heißt, ein Mann zu sein".
Sendungsinfos
VPS: 21.05.2026 21:00, Stereo
