No. 461
Ausgabe #461 Cover

ORF-Premiere zum Österreichischen Filmpreis: Nobadi Karl Markovics’ ORF-kofinanziertes Drama über Schuld und Vergangenheit

Ein alter Mann, ein toter Hund und ein afghanischer Flüchtling, der für vier Euro in der Stunde eine Grube gräbt. Nach „Atmen“ erzählt Drehbuchautor und Regisseur Karl Markovics am Montag, dem 5. Juli, um 23.55 Uhr in ORF 2 erneut eine Geschichte über Schuld und Vergangenheitsbewältigung. „Nobadi“ ist aber auch eine Geschichte über die Verletzlichkeit der menschlichen Existenz und zeigt zwei Menschen – gespielt von Heinz Trixner und Borhanulddin Hassan Zadeh –, die nichts gemeinsam haben, aber für ein paar Stunden alles miteinander teilen … In weiteren Rollen des vom ORF im Rahmen des Film/Fernseh-Abkommens kofinanzierten Dramas standen u. a. auch Maria Fliri, Konstanze Dutzi, Julia Schranz, Edi Jäger, Sven Sorring und Simone Fuith vor der Kamera.

Drehbuchautor und Regisseur Karl Markovics: „Eine Geschichte über die Verletzlichkeit der menschlichen Existenz“

„Der Untertitel von ,Nobadi‘ könnte auch ,Das Märchen vom schlechten Gewissen‘ lauten. Der alte Mann, die Hauptfigur, entwickelt am Ende seines Lebens so etwas wie die Wunschvorstellung von Reue und Vergebung. Aber warum nur eine Wunschvorstellung, eine Projektion? Warum keine ,echte Reue‘, keine ,wirkliche Vergebung‘? Vielleicht, weil zu viel Schuld über zu lange Zeit verdrängt worden ist. Weil das, was während des Nationalsozialismus passiert ist, sich im kollektiven Unbewusstsein verdünnt (um nicht zu sagen ,verdünnisiert‘) hat. Für diese Reue ist es längst zu spät. Aber was ist mit der zukünftigen Schuld und mit der zukünftigen Reue? Was ist mit den Massen, deren Existenz heute bedroht ist? Mit den Menschen, die aus allen Teilen der Erde fliehen, weil sie dort, wo sie herkommen, keine Zukunft haben. Der junge Afghane ist einer von ihnen. Die Fügung der Geschichte bringt diese beiden, völlig unterschiedlichen Menschen zusammen – einen alten Mann am Ende und einen jungen Mann am Beginn seines Lebens. Aus den Rümpfen zweier älterer Ideen entwickelte ich eine neue. Ein alter Nazi sucht am Ende seines Lebens nach einem Sinn. Ein junger Flüchtling sucht am Anfang seines Lebens nach einem Platz. ,Nobadi‘ ist, wie schon mein erster Film ,Atmen‘, auch eine Geschichte über Schuld und Sühne und über Opfer und Täter; aber mehr noch ist ,Nobadi‘ eine Geschichte über die Verletzlichkeit der menschlichen Existenz.“

Mehr zum Inhalt

Heinrich Senft (Heinz Trixner), 93, lebt in einem Schrebergartenhaus am Stadtrand von Wien. Sein Hund ist in der Nacht gestorben, und er will ihn heimlich im Garten begraben. Als der Stiel der Spitzhacke bricht, fährt er zum Baumarkt, einen neuen besorgen. Auf dem Rückweg spricht ihn ein junger afghanischer Flüchtling an. Ob er Arbeit für ihn habe? Der Afghane Adib Ghubar (Borhanulddin Hassan Zadeh) hinkt, und er ist mit drei Euro in der Stunde einverstanden. Während der Arbeit kommt es zu einer zaghaften Annäherung zwischen den beiden. Woher der junge Mann so gut Deutsch könne? Aus dem Lager? Welchem Lager? Camp Marmal, ein Militärlager der Nato in Afghanistan, wo er gearbeitet habe. Als die Grube fertig ist und es ans Bezahlen geht, kommt es zu einer heftigen Auseinandersetzung. Senft kann sein Geld nicht finden. Er bedroht Adib mit einer alten Pistole, lässt ihn seine Taschen leeren, sogar seine Hose ausziehen. Schließlich fällt ihm ein, dass er das Geld selbst versteckt hat, aus Angst bestohlen zu werden. Er bezahlt den jungen Mann und lässt ihn gehen.

Einige Zeit später findet Senft Adib zusammen gesunken auf der Sitzbank der nahen Bushaltestelle. Der Flüchtling hat offenbar eine schwere Fußverletzung, weigert sich aber, ins Spital zu gehen. Er fürchtet, von den Behörden abgeschoben zu werden. Senft bringt ihn zu einer Tierärztin, bittet sie, ihm wenigstens Antibiotika und Schmerzmittel zu geben. Als die Tierärztin die Rettung rufen will, lockt er sie unter einem Vorwand ins Behandlungszimmer und erwürgt sie hinterrücks. Dann nimmt er die nötigsten Medikamente, Schmerzmittel und Verbandsmaterial und bringt Adib ins Schrebergartenhäuschen zurück. Senft ist sich sicher, die einzige Möglichkeit Adib das Leben zu retten, besteht darin, sein Bein zu amputieren. Um bei der improvisierten Operation nicht das Bewusstsein zu verlieren, beginnt der Flüchtling dem alten Mann seine Geschichte zu erzählen.

Mehr zum umfangreichen ORF-Programm zum Österreichischen Filmpreis 2021 ist online unter http://presse.ORF.at abrufbar.

 Fotocredit: ORF/epo film/Petro Domenigg

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